EMDR
Jutta Michaud | Berlin
Was ist EMDR?
„Eye Movement Desensitization and Reprocessing“ – die deutsche Übersetzung lautet „Desensibilisierung und Aufarbeitung durch Augenbewegungen“. Klingt erst einmal sperrig, doch diese Methode zur Behandlung und Verarbeitung belastender Gefühle und Traumata ist weniger kompliziert, als der Name vermuten lässt. Patient*innen oder Coachingklient*innen werden dabei angeleitet, ihre Augen, einem Stift oder einer Hand folgend, nach einem bestimmten Muster zu bewegen. Durch die Augenbewegungen können beide Gehirnhälften angesprochen und synchronisiert werden. Dabei werden Bilder oder Situationen von den belastenden Gefühlen entkoppelt. Ähnlich wie in der REM-Schlafphase kann auf diese Weise ein Verarbeitungsprozess stattfinden.
Vom Zufallsbefund zur Methode
Entwickelt wurde EMDR in den 80er Jahren von der amerikanischen Psychologin Francine Shapiro. Sie bemerkte, dass sich bei ihr Blockaden lösten, wenn sie während eines Spaziergangs ihre Augen durch die Natur schweifen ließ. Diese Entdeckung verfolgte sie weiter und verfeinerte sie so lange, bis sie sich methodisch nutzen ließ. Heutzutage genießt EMDR wissenschaftliche Anerkennung und ist aus dem modernen Therapie- und Coachingkanon kaum noch wegzudenken. Ereignisse, die einen Menschen in der Vergangenheit so schwer belastet haben, dass sie bis in die Gegenwart noch die Macht haben, heftige Gefühle auszulösen, können mit Shapiros Methode nachhaltig bearbeitet werden. Prüfungsängste, Schreibblockaden und ähnliche Schwierigkeiten lassen sich mit dieser Methode innerhalb von wenigen Sitzungen auflösen.
Wichtig zu wissen:
Schwere Traumata gehören nicht in den Behandlungsbereich von Heilpraktikern für Psychotherapie. Wenn ich im Zusammenhang mit EMDR von „Traumata“ spreche, sind Traumata nach dem erweiterten Begriff gemeint, d. h. Situationen, die für einen bestimmten Menschen traumatisch sind, für andere jedoch absolut „normal“ oder unbedeutend sein können. „Traumata mit Krankheitswert“, die von klinischen Psychologen oder Psychiatern behandelt werden müssen, sind solche, die bei jedem Menschen eine schwere Erschütterung auslösen würden.

